18-STRING MAGIC

DIE KLANGWELTEN DES IAN ETHAN CASE

Irgendwie denkt man doch immer: „Was soll da noch kommen?“ Alle Varianten sind ausgereizt, wir hören sowieso immer nur den gleichen Brei, serviert von verschiedenen Tellern. Aber Moment mal... Was ist das? Ian Ethan Case - ein Schlagzeuger, der sich an der Gitarre versucht, und dann gleich noch an einer mit zwei Hälsen... und wie viele Kapodaster sind da im Einsatz? Jetzt erst mal langsam!

Ian Ethan Case, ein Kind vom Lande, angeregt von seinem Onkel, wollte gerne Musik machen. Nun ist aber die Musikerdichte in den Weiten der amerikanischen Prärie eher übersichtlich und man muss sich für den Anfang zunächst selbst bespaßen. Nach einiger Zeit am Schlagzeug kam er zu der Erkenntnis, dass er rhythmische Sachen schon mag, aber da fehlte noch was... Melodien!

Melodien können einen Song ganz schön bereichern! Also ab in den Pick-up und auf in den nächsten Musikladen... Uiii, das wird knapp, ist ja auch eine ganz schöne Strecke... Aber egal , Ankunft acht Minuten vor Ladenschluss... Was nun? Wenigstens nochmal durch die verschiedenen Abteilungen gehen... Doch was hängt da in der Ecke? Eine Akustikgitarre mit zwei Hälsen?

"Die muss ich ausprobieren! Komisches Teil, hinten aus einer Art Plastik und auch noch rund... Ovation... hab ich schon mal gehört. Nur noch drei Minuten, schnell anstecken und ausprobieren. Amazing! Was für ein Sound! Und wie perkussiv, da habe ich doch gleich eine Song-Idee... Ach, ihr schließt jetzt und ich soll morgen nochmal wiederkommen? Die ganze Strecke?"

Ja, und auf der Rückfahrt war da noch was mit einem Opossum, aber das ist eine Story, die man sich von Ian selbst erzählen lassen sollte.

Das war die Kurzfassung der Geschichte, und wie ihr euch sicherlich denken könnt, hat er die Gitarre mitgenommen. Ian war von dieser ersten Begegnung mit seiner ersten Ovation so begeistert und inspiriert, dass er sie gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. 18 Saiten, verschiedene Stimmungen, Kapodaster, manchmal sogar nur partiell eingesetzt. Die Songideen sprudelten nur so aus ihm heraus und mit jedem Stück perfektionierte er seinen Style immer mehr. Vieles, was er auf dem Schlagzeug gelernt hatte, bereicherte nun seine Songs. Rhythmische, immer wiederkehrende, dann wieder leicht abgewandelte Patterns wiederholen sich, werden durch eine spezielle Loop-Technik vervielfältigt und mit Effekten angereichert. Ein Song, der am Anfang mit einer simplen Tonabfolge angefangen hat, baut sich zu einem orchestralen Werk auf. Am Ende denkt man nur noch: „Und wie viele Leute sind da jetzt auf der Bühne?“ Es ist auf jeden Fall ein Hörerlebnis, welches allerdings die visuelle Gegenwärtigkeit nicht missen möchte. Irgendwie ist es, als ob man jemanden beim Bau eines Kartenhauses beobachtet: höher und höher... und dann jongliert er auch noch dazu! Man bangt immer irgendwie mit, ist aber auf der anderen Seite beruhigt und beeindruckt wenn man sieht, mit welcher Perfektion und Sicherheit er das Instrument bedient.

Über die Jahre hinweg und während seines Studiums ist Ian natürlich mit vielen Musikern verschiedenster Art in Kontakt gekommen. Er spielte in unterschiedlichsten Projekten, teilte die Bühne mit Leuten wie Robben Ford, Victor Wooten, Stanley Jordan, Michael Manring, Paul McCandless (Bela Fleck & The Flecktones, Oregon), um nur einige zu nennen, bis hin zu einem Konzert mit dem Wenatchee Valley Symphony Orchestra. Ich hatte bereits 2016 das Vergnügen mit Ian zu arbeiten, als wir zusammen mit der „50th Anniversary“ Ovation Roadshow quer durch Europa unterwegs waren. Ebenso letztes Jahr im Herbst, als wir ein zweites Mal zusammen auf Tour gingen. Wie so viele Musiker, die wirklich was auf der Kiste haben, sind Ian und seine Frau Stephanie, die den ganzen Live-Looping Part managt, sehr bescheiden und es macht Spaß, mit ihnen Zeit zu verbringen.

Auf einer der vielen Autofahrten, die wir zusammen verbracht haben, erzählte er mir, wie sehr diese erste Ovation ihn inspiriert und seinen Style geprägt hat und wie dankbar er dafür ist. Mir wurde dabei bewusst, wie wundersam diese Welt doch manchmal ist. Da sitzen Instrumentenbauer in ihrem Kämmerlein und tüfteln an diversen Konstruktionen herum, stecken einen Teil von ihrem Spirit in ein Instrument und dann nimmt da an einer anderen Ecke dieser Welt irgendein Musiker dieses Instrument von der Wand, nimmt diesen Spirit auf und wandelt ihn irgendwie in seinen eigenen um. Kling komisch, ist aber so... oder zumindest so ähnlich. Auf jeden Fall kann ich jedem, der sich mal wieder vom musikalischen Einheitsbrei entfernen will, empfehlen, ein Konzert von Ian Ethan Case zu besuchen. Das Zusehen und -hören macht unheimlich Spaß und erweitert den Horizont ungemein. Und vielleicht bist ja auch du am Ende inspiriert für neue Dinge, die unsere Welt bereichern!

European Tour Oktober 2017

9th Little Big Beat / Liechtenstein / Masterclass

10th Little Big Beat / Liechtenstein / the Concert

11th Euromusic / La Chauc de Fonds / Switzerland

13th Pat‘s Instr. Shop / Hasle-Rüegsau / Switzerland

15th Online Lesson / Neustadt an d. W.

17th Music Mag / Wittenheim / France

18th Royez Musik / Reims / France

19th Hendrick Music / Saint-Cyr-sur-Loire / France

20th Michenaud & Co / Nantes / France

21st Sergio Tomassone / Bologna / Italy

23rd Gitarhuset Megastore / Oslo / Norway

24th Østfold Musikk / Sarpsborg / Norway

25th Andreasson Musik / Göteborg / Sweden

26th Musikbutiken i Vara / Larv / Sweden

Texte: Thomas Neuhierl
Photos: Thomas Neuhierl, Laurent Decavele, Little Big Beat Studios
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