JOSH FREESE - KEINE ALTERNATIVE

DAS CHAMÄLEON IN SACHEN DRUMS

inen Tag ist er mit Sting im Privatjet unterwegs, am nächsten Tag mit The Vandals in einem Transporter:

Josh Freese ist ein hingebungsvoll schaffender Musiker. Er besitzt eine unermüdliche Arbeitsmoral, wechselt die Genres wie ein Chamäleon die Farbe und sein exzellenter Ruf eilt ihm voraus. Schlagzeugversessen von Kindesbeinen an, wuchs er in einer Musikerfamilie auf und nutzte seine Begeisterung für die Musik, um den Weg für seine enorm vielseitige und erfolgreiche Karriere zu ebnen. Es gibt in der Tat eine ganze Reihe außergewöhnlich begabter Musiker in der Schlagzeugerszene, doch für viele Künstler und Bands gibt es einfach keine Alternative zu Josh Freese.

Scott Donnell: Erzähl uns, wie du als kleiner Junge deine Schlagzeug-Idole getroffen hast.


Josh Freese: Dass ich als Kind einige meiner Lieblingsschlagzeuger kennenlernen konnte, war ein Riesending für mich. Ich bin in Südkalifornien aufgewachsen und als ich zehn Jahre alt war, besuchte ich zum ersten Mal die NAMM-Show. Ich lief mit einer einfachen Kompaktkamera herum und hatte ein kleines Autogrammalbum dabei, das kaum größer als eine Geldbörse war. Ich lief Vinnie (Colaiuta) und Terry (Bozzio) hinterher, wie ein verlorengegangenes Hundebaby, und sie waren total cool zu mir. Sie hatten es überhaupt nicht nötig, aber sie waren es! Diese Jungs ebenso wie Keltner, Porcaro, JR und Gregg Bissonette waren absolut das Größte für mich, vor allem in dem Alter! Sie gaben mir sogar ihre Telefonnummern, so dass ich sie jederzeit anrufen und mit allen möglichen Fragen löchern konnte. Als ich so zehn, zwölf Jahre alt war, fuhr mein Dad mit mir nach LA, damit ich Vinnie im Jazzclub The Baked Potato spielen sehen konnte. Vinnie setzte mich auf die Gästeliste und reservierte uns ein paar Plätze direkt vor seinem Schlagzeug. Das haute mich total um. Ihn aus nächster Nähe erleben und ihm sogar Fragen stellen und von ihm lernen zu können, hatte einen enormen Einfluss auf mich.


SD: Sprichst du nach wie vor oft mit Vinnie? Worüber unterhaltet ihr euch?


JF: Wir telefonieren mehrmals im Jahr miteinander und halten ansonsten über E-Mail Kontakt. Es ist schon lustig, wir sind ja beide immer total beschäftigt, aber natürlich spielen wir nie bei denselben Gigs. Vielleicht hätten sich unsere Wege mal gekreuzt, wenn einer von uns Bassist wäre! (Lacht).

Mit Vinnie ist es so, dass es vorkommen kann, dass wir uns eine halbe Ewigkeit nicht sehen; aber wenn wir uns dann wieder treffen, ist es so, als sei es erst gestern gewesen. Er ist und bleibt mein Buddy und definitiv mein absoluter Lieblingsdrummer.


SD: Wie gefällt es dir, für andere ein Vorbild zu sein?


JF: Für mich ist es ein eigenartiger Gedanke, dass ich für irgendjemanden ein Vorbild sein könnte. Wäre ich bereit, da mehr hineinzuinterpretieren, würde es mich wahrscheinlich wahnsinnig machen. Um ehrlich zu sein: Ich weiß nicht, ob es mir gefällt, diese Art von Verantwortung zu tragen. Für mich ist es das Wichtigste, ein anständiger Kerl und ein guter Vater zu sein. Und das kann ich hoffentlich auch anderen weitergeben. Wenn ich irgendjemanden mit meinem Schlagzeugspiel, meinem Lebensweg, meiner Arbeitsmoral oder meiner inneren Einstellung oder aber auch mit der Musik, die ich schreibe, inspirieren kann, ist das doch fantastisch! Meine eigenen Vorbilder sind extrem vielfältig und reichen von Steve Gadd, Bill Stevenson und Walt Disney über John Waters und Jaco Pastorius bis hin zu John Lydon, Chris Burden und Jeff Koons. Nicht alle von ihnen sind unbedingt im engeren Sinne „Vorbilder“ für mich, aber sie alle haben mich maßgeblich inspiriert und beeinflusst.


SD: Wirst du häufig von anderen Schlagzeugern um Rat gebeten? Was rätst du ihnen?


JF: Ich werde ständig um Rat gebeten und mein Rat lautet immer: Haltet die Ohren offen und bleibt aufgeschlossen und interessiert; auch wenn ich zugeben muss, dass das ziemlich klischeehaft klingen mag. Ich bin fest davon überzeugt, dass es wichtig ist, hart zu arbeiten, aber auch, dass man Spaß haben soll. Ich rate den jungen Leuten, dass sie sich raustrauen und mit möglichst vielen verschiedenen Leuten spielen sollen. Rausgehen und andere Leute kennenlernen. Andere Musiker, Produzenten, Songwriter, Soundtechniker treffen…man weiß ja nie, durch wen man wo hingelangt. Dabei sein, mitmischen und so viel wie möglich erleben. All diese unterschiedlichen Bekanntschaften und Erfahrungen tragen – zusammen mit dem eigenen Spiel – dazu bei, deinen individuellen Sound und Stil zu entwickeln. Meiner Meinung nach kann man nur so herausfinden, welcher Stil einem wirklich liegt und wofür man ein Händchen hat – und dann muss man dranbleiben. Man muss seine eigene Nische finden und sich dann kopfüber hineinstürzen. Man muss es in sich aufsaugen, mit ins Bett nehmen, damit einschladen und wieder aufwachen – vor allem in den prägenden jungen Jahren.


SD: Machst du immer noch viele Sessions?


JF: Ich schätze mich glücklich, immer beschäftigt zu sein, aber die Szene hat sich verändert. Das wissen wir alle; und jeder, der etwas anderes behauptet, lügt. Die Budgets sind überall knapper geworden. Vor kurzem rief mich das Management einer der ganz Großen aus dem Musikbiz an und bat mich um einen Nachlass auf mein übliches Honorar. Es werden nach wie vor viele Aufnahmen produziert, aber die Aufnahmesessions haben sich im Vergleich zu früher total verändert. Es gibt einfach nicht mehr dieselben Budgets wie in der Vergangenheit. Früher fiel es mir total schwer, jemandem absagen zu müssen, weil jede Session guten Gewinn brachte. Heute nehme ich an kleineren Sessions nur noch teil, weil ich den Künstler und die Musik wirklich mag. Für mich ist das in Ordnung, weil es zu meinem heutigen Lebensstil passt; ich will nicht mehr zwei oder drei Sessions am Tag machen wie früher. Das habe ich hinter mir. Diese Zeiten sind vorbei. Ich habe vier Kinder und meine Prioritäten haben sich in dieser Hinsicht wirklich drastisch geändert. Natürlich werde ich auch in Zukunft immer wieder bei richtig großen Sessions mitmachen und, wenn ich Zeit dazu habe und mir die Musik wirklich gefällt, werde ich auch Sessions mit kleinerem Budget zusagen.


SD: Auf welchen Alben kann man dich aktuell hören?


JF: Zu den namhafteren Künstlern, mit denen ich zuletzt im Studio war, gehören Wolfmother, Michael Bublé, Danny Elfman, Sublime with Rome, Rob Zombie und The Offspring. Zu hören bin ich jeweils auf ihren neuesten Veröffentlichungen bzw. auf den Alben, die in Kürze auf den Markt kommen. Bei einigen spiele ich auf dem gesamten Album, bei anderen handelt es sich lediglich um ausgewählte Titel bzw. Soundtracks. Es gibt ein paar andere Aufnahmen, die ich gerne machen würde, die sich aber noch nicht ergeben haben. Dazu gehören sowohl neue Aufnahmen mit The Vandals und Sublime with Rome als auch mein eigene Instrumentalaufnahme und ein Projekt mit meinem Bruder Jason, der für Green Day und Joe Walsh Keyboard spielt. Darauf werden auch mein Vater und sein Können auf der Tuba zu hören sein!


SD: Auf welches Drumkit verlässt du dich zurzeit? Welche Snaredrum ist momentan dein Arbeitspferd?


JF: Ich habe eine ganze Reihe verschiedener Kits, die natürlich alle fantastisch klingen, und alle sind immer wieder im Einsatz. Am häufigsten greife ich jedoch auf das Drum Set zurück, mit dem ich in den letzten Jahren auch viel mit The Replacements und Sublime with Rome auf Tour war. Das ist ein Gun Metal Grey Collector’s Series Kit mit 22” Bassdrum, 12” und 13” Tomtoms sowie 16” und

18” Floortoms. Das ist zurzeit mein absoluter Favorit. Wenn ich mit The Replacement spiele, verzichte ich einfach auf die 13”Tomtom und spiele mit einer Hänge- und zwei Floortoms. Ich verwende zwar verschiedene 14” Snaredrums; meistens neige ich jedoch zur Collector’s Metal Snaredrum. Ich liebe Snares mit einem Kessel aus Messing, Bronze oder Aluminium. Meiner Meinung nach verfügen sie in einem Rock n‘ Roll-Setting über die beste Durchsetzungskraft. Schließlich muss man sich gegen all diese verdammten Gitarrenverstärker behaupten!


SD: Erzähl uns etwas über das Arbeitsverhältnis zwischen einem Profischlagzeuger und den Zulieferern und wie baut man eine gute Arbeitsbeziehung zu einem neuen Techniker auf?


JF: Mein Verhältnis zu den Technikern – ob bei Live-Auftritten oder im Studio – ist ziemlich unkompliziert und direkt. Wie bei jedem anderen Arbeitsverhältnis ist es schön, Leute um sich zu haben, mit denen man über längere Zeit zusammenarbeitet und zu denen man einen guten Draht hat. Natürlich ist es nicht schlecht, wenn der Techniker dich und deine Art zu spielen gut genug kennt, um eventuelle Probleme oder Pannen rechtzeitig genug vorauszusehen und alle erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um sie im Falle des Falles auszugleichen. Ich verwende eigentlich nie so ein riesiges Kit mit einem Haufen Schnickschnack und ich sehe mich gerne als nicht besonders „pflegeintensiv“. Mein Techniker muss sich darum kümmern, dass die Drums einen guten Sound haben und sich gut spielen lassen, und er muss darauf achten, dass sich immer ein paar extra Sticks in meiner Reichweite befinden. Ich erwarte nicht, dass die Felle andauernd ausgetauscht werden. Solange sie gut gespannt und nicht wellig sind, ist für mich alles in Ordnung. Ich bin nicht so ein „Polier mir die Becken und Trommelkessel“-Typ. So war ich nie und so werde ich nie sein. Ich mag es, wenn Schmutz und Schweiß ein paar Spuren hinterlassen. Ein bisschen Abnutzung gehört doch dazu. Schließlich geht es hier um Rock n‘ Roll, oder?!


SD: Bist du ein Ausstattungsfreak?


JF: Nein, zumindest nicht in dem Maße wie einige andere Leute. Ich jage nicht der ‚perfekten‘ Snaredrum hinterher; das ist nicht mein Ding. Ich bin so beschäftigt und wahrscheinlich auch so faul, dass ich erwarte, dass mir jederzeit fantastische Drums zur Verfügung stehen.

Ich kenne den Unterschied zwischen guten und weniger guten Instrumenten und aus diesem Grund spiele ich schon MEIN GANZES LEBEN LANG auf Schlagzeugen von DW!

Schon mit etwa elf Jahren habe ich erkannt, dass DW der Konkurrenz haushoch überlegen ist. So ist es. Ich fand heraus, welche Drums für mich am besten klingen und habe mit denen weitergemacht. Klar gibt es andere gute Marken, aber ich weiß, was ich hören will, und wie es für mich aussehen muss und da gibt es für mich nur DW – ohne Wenn und Aber. Ich brauche keine Überraschungen. Wer hätte für so was überhaupt Zeit, was? Ich muss Musik machen, eine Familie ernähren und bei P.F. Chang essen. (Lacht).


SD: Justierst du gerne selbst an deinem Kit?


JF: Ja, ich feile gerne an der Feinabstimmung meines Schlagzeugs und schraube ein wenig herum, aber mit Vorsicht. Wie ich mich kenne, klingt es nachher schlimmer als zuvor. Seit ich sechzehn oder siebzehn war, hatte ich Schlagzeugtechniker und natürlich habe ich davor jahrelang mein Schlagzeug selbst verladen, aufgebaut und wieder auseinandergenommen….alles, was dazu gehört. Mir gefällt es aber bis heute, mich hin und wieder hinzusetzen und die Felle auszutauschen. Das ist ein gutes Gefühl. Ich fühle mich bei dieser Arbeit so richtig mit meinem Schlagzeug verbunden.


SD: Wie klingt der perfekte Josh Freese Schlagzeug-Sound?


JF: Ich weiß nicht, ob es DEN perfekten Josh Freese Sound gibt. Mir gefällt echt alles. Ich mag sowohl die ganz dichten Sounds als auch hin und wieder den voluminösen, lauten und bombastischen Klang. Es hängt immer von der jeweiligen Band ab, mit der ich spiele. Wenn ich wenig Platz habe, entscheide ich mich eher für satte, treibende Drums als für fette und ausladende Sounds. Im Studio ziehe ich kleine Räume großen Sälen mit meterhohen Decken vor.


SD: Wie stellst du ein gutes Verhältnis zum Front-of-House-Toningenieur her?


JF: Bisher habe ich immer nur fest die Daumen gedrückt und gehofft, dass der FOH-Ingenieur sein Fach versteht und ganze Arbeit leistet. Manchmal höre ich mich ein wenig um, aber ich will nicht so ein Typ sein, der nach jeder Show rumläuft und alle fragt, „Wie hat es sich angehört? Wie hat es sich angehört?“. Meistens wird jemand engagiert, nachdem einer aus der Band oder dem Management ihn vorher schon mal im Einsatz erlebt hat. Zu Beginn einer Tournee lasse ich in der Regel meinen eigenen Schlagzeugtechniker, oder mehrere verschiedene Techniker, herumlaufen und mir berichten, wie der Sound ankommt. Hin und wieder lasse ich auch jemanden während des Soundchecks für mich Schlagzeug spielen und höre mir den Sound aus größerem Abstand selbst an. Während der Proben unterhalte ich mich meistens ein wenig mit dem Toningenieur, um sicherzustellen, dass wir auf derselben Wellenlänge sind, was die Drums und den Mix angeht. In der Regel ist es ein gutes Zeichen, wenn dir mehr als zwei Leute am Abend die Rückmeldung geben, dass es sich unten vor der Bühne gut angehört hat. Nicht dass die Show cool oder die Band geil war, sondern dass der Sound selbst großartig war.


SD: Warum Sublime? Warum gerade jetzt?


JF: Das Ding mit Sublime with Rome hat sich genau zum richtigen Zeitpunkt ergeben. Ich hatte gerade meine Zusammenarbeit mit Weezer beendet und machte ein paar einmalige Sachen mit Devo, The Vandals und Sting. Im Prinzip war ich jedoch zuhause und machte Sessions. Nachdem ich Nine Inch Nails verlassen hatte, versuchte ich, nicht mehr so viel unterwegs zu sein; aber du weißt ja, wie das ist… Ich kenne die Jungs von Sublime im Grunde genommen schon, seit sie ihre Karriere begonnen haben. Sie haben auf Konzerten mit The Vandals gespielt. Außerdem wohnten wir alle in Long Beach, waren also sozusagen Nachbarn, und wir alle gehörten der Punk Rock-Szene an und bewegten uns in denselben Kreisen. Ich erlebte mit, wie es mit ihrer Karriere zunächst steil bergauf ging und wie sie dann plötzlich mit kreischenden Bremsen zum Stillstand kam. Vor ein paar Jahren habe ich einige ihrer Shows gesehen, als Rome begann, für sie zu singen und Gitarre zu spielen. Sie waren fantastisch. Es war schön zu sehen, dass so viele Menschen, die ihre Musik liebten, ihre Songs nun live auf der Bühne erleben konnten, denn die meisten Fans hatten dazu bisher keine Gelegenheit gehabt. Sie standen gerade am Beginn ihrer Karriere, als Brad starb. Sie formierten sich neu und gingen einige Zeit auf Tournee. Doch dann wurde Bud Gaugh Vater und wollte nicht länger unterwegs sein. Sie erwischten mich zu einem der seltenen Zeitpunkte, an denen ich gerade keine größeren Engagements oder bevorstehenden Pläne hatte. Ich hatte ihre Songs immer gemocht und der Stil, den ich spielen sollte, war etwas Neues für mich. Also klang das Angebot interessant für mich. Auch Eric Wilson mochte ich schon immer. Er ist ein großartiger Bassist, ein toller Kerl und einfach ein absolut cooler Typ. Rome wuchs mit der Musik von Sublime auf und lernte Gitarre, indem er sich die Aufnahmen der Band anhörte. Er hat ein außerordentliches Talent, ist ein großartiger Songwriter und hat eine unglaubliche Stimme.


SD: Wie haben sich die Tourneen im Laufe der Jahre verändert?


JF: Es kann nach wie vor jede Menge Spaß machen, auf Tournee zu gehen, aber - wie alles andere auch – verändert es sich natürlich, wenn man älter wird und den Job schon so viele Jahre lang macht. Ich gehe nicht mehr so viel aus wie früher. Das wilde Partyleben wird gebremst, wenn man erstmal Familie hat und anfängt, sich anständig zu benehmen. In dieser Hinsicht ist es manchmal ein bisschen zu erwachsen und langweilig für mich geworden, aber was soll’s. Nicht bei meiner Familie zu sein, fällt mir heutzutage wirklich schwer, aber es ist absolut notwendig, loszuziehen und Gigs zu haben – heute mehr denn je. Das Erlebnis eines Live-Konzerts lässt sich nicht downloaden oder raubkopieren; und da sich das Geschäft mit den Aufnahmen zusehends verschlechtert, müssen Bands heute einfach viel häufiger auf Tour gehen. Das Internet und die neuen Technologien haben es in vielerlei Hinsicht leichter gemacht, auf Tournee zu gehen: Wir können jederzeit mit jedem auf der Tour und zuhause kommunizieren, an der Musik arbeiten, unterwegs komponieren und aufnehmen usw. usw. Früher hat es mich verrückt gemacht, meine Zeit in irgendwelchen Hotelzimmern totschlagen zu müssen, aber heute gibt es tausend Dinge, die ich dort machen, mir ansehen oder lesen kann.


SD: Wie hat sich die Arbeit im Studio verändert? Wie hast du dich daran angepasst?


JF: Wie schon gesagt hat sich die Studioszene insofern verändert, als dass die Budgets unglaublich geschrumpft sind, weil es so gut wie keine Plattenverkäufe mehr gibt. Die Leute laden sich heute alles illegal aus dem Internet runter, also wird niemand mehr für seine Kunst bezahlt. Heutzutage müssen alle mit einem knappen Budget auskommen, aber die technischen Fortschritte machen es unglaublich leicht, Aufnahmen zu machen, ohne dafür ein teures Tonstudio anmieten zu müssen. Im Heimstudio kann man, wann und wo immer man will, Musik aufnehmen; man braucht lediglich einen Laptop und ein paar Mikros. Klar gefällt es den Leuten nach wie vor, Schlagzeugaufnahmen in einem tollen Raum mit einer guten Holzverkleidung und zig Mikrophonen zu machen. Darum versuchen sie, die Drums nach Möglichkeit in einem guten Tonstudio aufzunehmen, selbst wenn sie die Aufnahme zuhause oder in einem kleineren Studio endabmischen. Natürlich gibt es nach wie vor die großen schicken Studios in der Stadt, aber ich sehe heute viel mehr Heimstudios als früher. Ich selbst habe auch ein eigenes Studio; und es kann also vorkommen, dass ich engagiert werde und mir die Leute einfach die Pro Tools-Dateien zuschicken. Ich kenne viele Leute, die das so machen, weil Künstler mit einem kleineren Budget so ‘ne Menge Zeit und Geld sparen können. Ich mache Sessions für Songwriter und Bands auf der ganzen Welt, die ich noch nie getroffen habe! Die sparen ein Vermögen, weil sie kein teures Flugticket und Hotelzimmer zahlen und weder ein Studio noch eine Transportfirma buchen müssen.


SD: Erzähl uns eine Anekdote über Tommy Lee.


JF: Ich lernte Tommy über die Leute von Simmons Electronic Drums kennen, als ich dreizehn war. Ich werde nie vergessen, wie ich ihn in seinem Haus in Woodland Hills besuchte, als er noch mit Heather Locklear verheiratet war. Das war zu einer Zeit, als Mötley Crüe zu den erfolgreichsten Bands des Landes gehörte – sie waren absolute Superstars auf MTV. Das Ganze war schon ziemlich beeindruckend – zumal mit den Augen eines Schülers betrachtet. Ich erinnere mich an die Corvette, die er hatte; er konnte gar nicht aufhören, uns voller Stolz das völlig übertriebene Soundsystem vorzuführen, das er sich hatte einbauen lassen. Der Wagen war ein Zweisitzer und direkt hinter und unter den Sitzen waren riesige Lautsprecher und Subwoofer eingebaut. Man hatte sie direkt im Rücken. Wenn man die Lautstärke aufdrehte, fühlte es sich an, als erhielte man eine Ganzkörpermassage! In seiner Garage hatte er einen Kühlschrank, der bis zum Rand mit Corona Bier gefüllt war. Niemand in meinem Bekanntenkreis besaß einen zweiten Kühlschrank und schon gar nicht einen, der ausschließlich der Lagerung von Bier vorbehalten war!

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damals mein erstes Bier trank. Ich dachte „Wow, der Kerl ist mit einer der schärfsten Schauspielerinnen verheiratet, hat eine Corvette mit einer eingebauten Lautsprecheranlage und einen Haufen Bier in seiner Garage…es muss echt cool sein, Tommy Lee zu sein!“.

(Lacht). Ich habe nach wie vor Kontakt zu ihm und freue mich immer, wenn wir uns mal über den Weg laufen.


SD: Bist du in letzter Zeit auf irgendeinen Nachwuchsschlagzeuger aufmerksam geworden, der dich beeindruckt hat?


JF: Es gibt einen jungen Schlagzeuger, den die meisten noch nicht kennen, aber unbedingt kennenlernen sollten: Jaydon Bean. Der ist absolut der Hammer. Er kommt aus Utah, lebt aber heute in LA. Er besitzt viel Gefühl und hat verblüffende Fähigkeiten. Er spielt in der ganzen Stadt; er ist so ein Typ, der rausgeht und loslegt. Ich habe ihn über meinen Bruder kennengelernt; sie haben zusammen einige Aufnahmen für dessen Projekte gemacht. Er ist wirklich enorm geschickt und beherrscht sein Instrument phänomenal. Aber ich bin mir sicher, dass es zig verblüffende, aufstrebende Nachwuchsdrummer gibt, von denen ich nur einfach nichts weiß.


SD: Wie hältst du Karriere und Privatleben im Gleichgewicht?


JF: Seit ich so eine große Familie habe, arbeite ich Tag für Tag daran, eine Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Das ist eine ständige Herausforderung. Ich will es später nicht bereuen müssen, nicht für meine Kinder da gewesen zu sein, als sie aufgewachsen sind; aber andererseits muss ich auch genug arbeiten, um im Jahr 2016 eine sechsköpfige Familie in Südkalifornien ernähren zu können. Außerdem möchte ich meinen eigenen künstlerischen Bedürfnissen gerecht werden. Es gibt viele Dinge, die ich zurzeit gerne machen würde, aber vieles davon muss schon seit längerem auf meiner To-Do-Liste warten. Ich weiß, dass ich irgendwann dazu kommen werde. Wie schon gesagt, die Prioritäten verschieben sich, wenn man sich erst einmal für eine Familie entschieden hat und sich als Vater auch einbringen will. Immer wenn mich jemand fragt, „Und, was machst du gerade so?“, antworte ich, „Schlagzeug und Papa spielen“. Das ist alles.


SD: Erzähl uns etwas über deine Beziehung zu DW. Welche Bedeutung hat die Firma im Laufe der Jahre für dich gewonnen?


JF: Schon als ich noch ein kleiner Junge war, haben mich die Vision von Don Lombardi und John Good, die besten Drums auf den Markt zu bringen, ihre harte Arbeit und ihre Hingabe an diese Vision total begeistert. Sie waren allen anderen immer ein paar Schritte voraus; darüber sind wir uns heute, denke ich, alle einig. Ich habe das vor kurzem auch in einem Werbespot für DW gesagt, aber es ist die Wahrheit; wir sind mehr oder weniger zusammen aufgewachsen. Ich habe miterlebt, wie sich DW von einem kleinen Betrieb zu einem immer und immer größer werdenden Unternehmen entwickelt hat! Es ist toll, zu einem Team wie dem von DW zu gehören. Unsere gemeinsame Geschichte bedeutet mir extrem viel; ich würde sie gegen nichts in der Welt eintauschen.

Texte: Scott Donnell
Photos: Rob Shanahan
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