FELIX LEHRMANN AUF STIPPVISITE IN KALIFORNIEN

DW DRUMS ARTIST FELIX LEHRMANN BERICHTET VON SEINEM BESUCH BEI DEN ZWEI LEGENDÄREN SCHLAGZEUGHERSTELLERN DW DRUMS & REMO.

m August letzten Jahres fand ich eines Morgens eine Mail von John Good in meinem Postfach.

Er hiess mich herzlich in der DW Familie willkommen und lud mich ein, auf einen Trip nach Oxnard Kalifornien, damit er mir die DW Fabrik zeigen, wir ein Colector's Custom Drumkit planen und in diesem Zuge auch gleich ein paar Videos für den Drum Channel machen können.

Sofort suchte ich nach einer Lücke in meinem Kalender und schlug in meiner Antwort vor, Ende November für ein paar Tage in den Tiefen Westen zu kommen.

93 Tage, 69 Auftritten und einen Umzug später, stieg ich am 19.11.2017 TXL in den Flieger über Frankfurt nach Los Angeles. Landung 16.20h Pacific Standard Time; schnell einen Mietwagen gezogen und ins Hotel nach Camarillo, ein kleines Örtchen direkt neben Oxnard, wo ich am nächsten Vormittag eine Verabredung mit John Good haben sollte.

20.11. - 10.30h – John Good empfängt mich an der Rezeption des DW Headquarters und ich folge ihm nach einer warmherzig-kalifornischen Umarmung in sein Büro. Überall stehen Kessel in verschiedensten Grössen, Snaredrums, Toms, teils ohne Felle und Böckchen. Holzstücke und diverse Furnier Muster liegen auf seinem Schreibtisch aus. Ich nehme vor seinem massiven Holzschreibtisch platz und die Legende beginnt zu erzählen. Er holt weit aus, von der Gründung im Jahre '72, wie er seinen Partner Don Lombardi kennengelernt hat und, dass diese beiden Streber als Schlagzeuglehrer die Firma DW begonnen hatten. Nach und nach wurde mir klar, wie viel Forschung, Wissen und Liebe zum Detail seit Jahren diese Weltfirma antreibt. Nach einem einstündigem Plausch, wir sind zwischendurch noch zum Thema Wein abgedrifted, verliessen wir sein Büro, um zwei Türen weiter die Heiligen Fabrikhallen zu betreten. Auf einmal stand ich mittendrin im Drum Workshop. Sofort sprang mich der Geruch von frischgeschnittenem Holz an.

Riesige Lagerregale mit den unterschiedlichsten Holzarten standen aufgetürmt vor mir. Teils mit Namen versehen, die ich zum ersten mal in meinem Leben hörte. John erklärt mir wonach er die Hölzer auswählt und ich bekomme einen Anblick in sein kleines Test-Office neben den Holztürmen.

Wir ziehen weiter zu den Maschinen, natürlich DW Prototypen, die die Holzlagen in eine runde From bringt. Es ist wahnsinnig zu beobachten, mit welcher Präzision und Hingabe diese Trommeln gefertigt werden. Einen Raum weiter trifft uns ein weiterer Maschinen Prototyp, der die Trommeln erhitzt, damit alles stabil bleibt. Daneben wird von Hand die Kesselgratung begutachtet und gegebenenfalls nachbearbeitet. Ich lerne die Jungs für die Paintjobs kennen und ich stehe vor einer Wand voller Fotos mit Custom Finishes von Josh Freese über Terry Bozzio bis Neil Peart. Spätestens hier wird mir klar, dass in dieser Firma wirklich alles möglich ist.

Mittlerweile ist es 14h und John besteht darauf endlich Mittag essen zu dürfen.

Nach einem ausgiebigen Mahl, voller Anekdoten aus John's jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit meinen Lieblings Drummern, fahren wir zurück in die Fabrik und betreten den Hardware Sektor.

Unglaublich zu sehen, dass wirklich alles inhouse aus diesen Hallen hergestellt, raus in die Welt geht, um von Drummern gequält zu werden. Ich bekomme die neuesten Pedal Errungenschaften vorgeführt. Wie in einem kleinen Labor wird hier an Pedalen und diversen Hydraulik-Ständern getüftelt, es muss der Schlagzeughimmel sein.

Ich probiere gerade einige Hihat-Modelle aus, als ich von hinten eine Stimme rufen höre: „..is that the left handed german guy over there?“. Ich drehe mich leicht verunsichert um und entdecke einen strahlen Don Lombardi vor mir, der mich herzlichst willkommen heisst. Wir reden ein bisschen über das, was am nächsten Tag folgen soll: Videodreh für den Drum Channel.

Am späten Nachmittag, zurück in Johns Büro reden wir noch ein Stündchen und ich bedanke mich bei ihm, für die ausgiebige Tour und einen unvergesslichen Tag in Oxnard.

Nach all den Jahren ist John Good und sein Team nicht müde, neue Maschinen zu erfinden und den Schlagzeugbau mit immer neuen neuen Impulsen zu bereichern.

21.11. - 10:00h – Ich schlage beim Drum Channel auf und beginne mit den Engineers das Drumset auszuwählen. Meine fällt auf ein Gummibaum- Ahorn Mix, den ich vorher so auch noch nicht spielen durfte; 10“ + 12“ Toms, 14“ + 16“ Floortoms, 22x17“ Bassdrum und die passende 14x 5,5“ Snaredrum. Ein sehr satt-klingendes Drumkit! Nach einem ausgedehnten Drumsolo führen Don Lombardi und ich ein einstündiges Interview; ich erzähle von meinem musikalischen Background und meiner Session Arbeit in Studios in Europa. Anschliessend kreieren wir noch ein paar Lessons für die Abonnenten von DrumChannel.com. Erschöfft von der dreistündigen Session, gehe ich in die Regie um ein paar Takes abzuhören und muss feststellen, dass sich Scott Donnell – Artist Relations Manager von DW reingeschlichen hat und meiner Performance lauschte. Nachdem alle Takes von mir abgesegnet sind, bedanke mich herzlich bei der Drum Channel Crew, schiesse noch ein paar Abschiedsbilder und verschwinde anschliessend mit Scott Donnell zum Essen und darf weiteren Anekdoten meiner Schlagzeughelden lauschen.

22.11. 10:30h – Ich habe eine Verabredung in Valencia mit keinem geringeren als Chris Hart, Artist Realtions Chief bei Remo Drumheads. Ich hatte den Guten schon zwei Monate vorher auf der UK Drumshow in Manchester kennenlernen dürfen und ihn um eine Werksführung gebeten, wenn ich im November nach Kalifornien kommen würde. Was nun folgte war ein weiterer unvergesslicher Tag voller historischer Geschichten, Insiderwissen und vieler Prototypen und Neuerungen, die ich allesamt testen konnte. Remo ist der weltweite Marktführer für Drumfelle und alles kommt aus dieser Fabrik im beschaulichen Valencia. Es ist wirklich unglaublich zu sehen, in welchem Umfang hier Felle gefertigt und verschickt werden. Genau wie die Tage zuvor im DW Headquarters, war es schön einen Tag mit gleichgesinnten Schlagzeugverrückten verbringen zu dürfen. Amen.

Texte: Felix Lehrmann
Photos: Felix Lehrmann
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