DIE WELT DES KONTRABASSES RESIDIERTE EINE WOCHE LANG IN LUDWIGSLUST

DER INTERNATIONALE J.M. SPERGER WETTBEWERB FÜR KONTRABASS VOM 22. BIS 29. JULI 2018

m Zentrum des Wirkens von Johannes Matthias Sperger, dem bedeutendsten Kontrabassisten des 18. Jahrhunderts, trägt die Internationale J.M. Sperger Gesellschaft im zweijährigen Turnus den Wettbewerb für junge Kontrabassistinnen und Bassisten aus: In Ludwigslust nahe Schwerin.

Bass verbindet. Der tiefe Klang bildet nicht nur das Fundament eines Musikstückes. Er ist darüber hinaus dafür verantwortlich, dass wir einen leichteren Zugang zur Melodie eines Stückes erhalten. Diese Wichtigkeit des Basses für die Musikwelt untermauern auch die Forschungsergebnisse, die die Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ unlängst in einem interessanten Bericht veröffentlicht hat. Hohe Töne kann man hören, aber den Bass kann man auch spüren!

Umso wichtiger also, zukünftige Generationen ambitionierter Bassistinnen und Bassisten zu fördern sowie Impulse zu setzen und Raum für ihre musikalische Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund rief die Internationale J.M. Sperger Gesellschaft vor 20 Jahren den Internationalen J.M. Sperger Wettbewerb für Kontrabass ins Leben.

Die Kulisse: Das edle Barockschloss Ludwigslust, die Residenz der Herzöge Mecklenburg-Schwerins. Stolze Gastgeberin des Wettbewerbs: Die Stadt Ludwigslust.

Johannes Matthias Sperger wurde am 23. März 1750 im damalig niederösterreichischen Feldsberg (heute Valtice/Tschechien) geboren und begann ab 1767 in Wien seine Ausbildung zum Kontrabassisten und Komponisten. Zehn Jahre später sorgte er als Mitglied der Kapelle des Erzbischoffs von Preßburg mit seinem Violon-Bassspiel für Aufsehen.

Wie lässt sich nun der Bogen vom heutigen Bratislava in den Norden Deutschlands in die Nähe von Schwerin spannen?

Eine der zahlreichen Konzertreisen ins In- und Ausland, die Sperger nach Auflösung der Preßburger Kapelle 1783 unternahm, führte J.M. Sperger an den Berliner Hof. Dort durfte Sperger 1788 vor dem späteren König Friedrich Wilhelm II. auftreten und erhielt kurz darauf nach dem „allerhöchsten Beyfall“ eine Anstellung an der Ludwigsluster Hofkapelle des Herzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Vorpommern.

Schnell gewann Johannes Matthias Sperger die uneingeschränkte Gunst von Friedrich Franz I. — 25 Jahre lang bis zu seinem Tod 1812 sollte Sperger an der Hofkapelle Mecklenburg-Schwerin wirken. Eine Zeit in der der Kontrabass-Virtuose sein Gesamtwerk aus mehr als 44 Einzelwerken (darunter Sinfonien, Instrumentalkonzerte, Sonaten, Kantaten und Arien) schrieb.

Die Identifikation der Stadt Ludwigslust mit J.M. Sperger und das Pflichtbewusstsein für den Erhalt seines Werks ist groß: Alle Aufzeichnungen seines musikalischen Schaffens, alle Notenblätter sowie alle Kompositionen von Johannes Matthias Sperger lagern wohlbehütet in den Archiven der Stadt Ludwigslust.

Ein Highlight war deshalb auch die Einweihung der Bronzestatue von J.M. Sperger am Samstagmittag im Schlossgarten Ludwigslust: Zahlreiche wichtige Gäste wohnten der Einweihung bei wie Reinhard Mach, Bürgermeister der Stadt Ludwigslust, und Klaus Trumpf, Gründer und ehemaliger Präsident der Internationalen J.M. Sperger Gesellschaft.

Erstmalig im Amt der Präsidentin der Internationalen J.M. Sperger Gesellschaft, lud Christine Hoock dieses Jahr als Künstlerische Leiterin des Kontrabass Wettbewerbs nach Ludwigslust ein: 46 Kontrabassistinnen und -bassisten aus 23 Nationen kamen als Teilnehmer des Wettbewerbs nach Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Novum des diesjährigen Sperger-Wettbewerbs: In Vier statt drei Wettbewerbsrunden sollten die ambitionierten Teilnehmer bei einem sehr guten und anspruchsvollen Repertoire ihr Können am Kontrabass unter Beweis stellen. Die Finalisten durften sich zwischen zwei Konzerten von J.M. Sperger entscheiden: Konzert Nr. 15 in D-Dur für Kontrabass und Orchester sowie Konzert Nr. 18 in h-Moll für Kontrabass und Orchester.

Die Fachjury 2018 in Ludwigslust:

Jeff Bradetich (USA): Der US-Amerikaner zählt zu den besten Kontrabassisten seiner Zeit und leitete die International Society of Bassists von 1892 bis 1990. Im Jahr 2008 gründete Jeff die Bradetich Foundation, die sich die Förderung des Kontrabasses auf die Fahnen geschrieben hat.

Christine Hoock (Deutschland/Österreich): Christine ist internationale Preisträgerin und studierte in Frankfurt sowie Genf bei Franco Petracchi und Günter Klaus. Klassik, Jazz, World und auch elektronische Musik gehört zu Christines Repertoire.

Hiroshi Ikematsu (Japan/Neuseeland): Nach seinem Studium am TOHO Music College bei Shunsaku Tsutsumi wurde Hiroshi 1989 Mitglied des NHK Symphony Orchestra in Tokyo. Nach Neuseeland verschlug es in 2006 für ein Engagement als Solokontrabassist des New Zealand Symphony Orchestra.

Dorin Marc (Rumänien/Deutschland): Dorin studierte bei Ion Cheptea in Bukarest und war von 1992 bis 2003 Solokontrabassist der Münchner Philharmoniker. Er unterrichtet seit 2003 Kontrabass an der Hochschule für Musik Nürnberg

Dan Styffe (Schweden/Norwegen): Dan ist koordinierter Solobassist des Philharmonischen Orchesters Oslo. Außerdem ist er Professor an der Norwegischen Musikakademie und am Barratt Due Musikinstitut.

Emil Tabakov (Bulgarien): Als weltweit gefragter Komponist und Dirigent gastiert Emil rund um den Globus und wurde mit zahlreichen Internationalen Preisen ausgezeichnet.

Gunars Upatnieks (Lettland/Deutschland): Gunars ist Sieger des Internationalen J.M. Sperger Wettbewerb 2008. Er studierte Kontrabass an den Musikakademien in Brünn bei Miloslav Jelinek sowie in Riga bei Serhejs Brinums.

Christiane Hutcap (Deutschland): Die gebürtige Kölnerin spielt als Kammermusikerin in zahlreichen Formationen vom Klaviertrio bis zum Oktett. Zur Professorin für Violine an der Hochschule für Musik und Theater Rostock wurde Christiane 1994

Selbst musikalisch beheimatet in den tiefen Klangregionen, erfreut es mich persönlich sehr, dass 2018 die nunmehr zehnte Auflage des Kontrabass-Wettbewerbs zu Ehren des bedeutendsten Kontrabassisten des 18. Jahrhunderts am Ort seines Wirkens abgehalten wurde.

Die Sieger des zehnten Internationalen Sperger Wettbewerbs zeugten von einem sehr hohen künstlerischen Niveau der Veranstaltung:

Platz drei ging an den Südkoreaner Yomoon Youn. Den zweiten Platz sicherte sich Alexander Weiskopf.

Der Sieger 2018 ist kein Unbekannter für GEWA Strings: Andreas Ehelebe aus dem Harz gewann 2017 den 52. Internationalen Instrumentalwettbewerb im vogtländischen Markneukirchen, unweit der Werkstätten von Rubner und erhielt von GEWA Strings einen exklusiven Kontrabassbogen. Wir freuen uns, dass Andreas (Akademist der Berliner Philharmonikern) auch in Ludwigslust einen von GEWA Strings gestifteten Preis, ein hochwertiges Bogenetuis, gewonnen hat.

GEWA Strings hatte in Ludwigslust erstmalig den neuen Rubner Solo Bass dabei — die Resonanz zum mit geschnitztem Löwenkopf veredelten Instrument bei den Teilnehmern und Juroren war schier überwältigend. Wir freuen uns sehr über ein solch positives Feedback!

Großer Dank gilt auch der Internationalen J.M. Sperger Gesellschaft für einen hervorragenden Wettbewerb auf höchstem Niveau!

„…darzu habe ich ein so Starckes Instrument gewählet, welches eine ordentlich Lebensarth erfordert um Kräfte dabey zu Erhalten…“ - Johann Matthias Sperger.

Texte: Steffen Schneewind / Jan Linda
Photos: Jan Linda / Internationale J.M. Sperger Gesellschaft