GESCHICHTE DER UKULELE: VON MADEIRA ZUM „HÜPFENDEN FLOH“

NUR DIE KLEINE SCHWESTER DER GITARRE? KEINESWEGS!

as verbindet man sofort mit dem US-amerikanischen Südseeidyll Hawaii? Na, klar: Sonne, Strand, Hula, Aloha — und natürlich die Ukulele!

Aber wer hat gewusst, dass die Ukulele ihren Ursprung eigentlich gar nicht auf Hawaii hat?!

Dennoch stammt das handliche Saiteninstrument von einem Eiland. Genauer: von der portugiesischen Atlantikinsel Madeira!

1879 brachte der portugiesische Einwanderer João Fernandes das viersaitige madeirische Nationalinstrument, die „Braguinha (auch bekannt als „Machête“), nach Hawaii. Als der Musiker von Bord des britischen Schiffs „Ravescraag“ stieg, so die Legende, spielte er sogleich auf seiner Machête aus Freude über die wohlbehaltene Ankunft in Honolulu. Neben João waren mehr als 400 Passagiere an Bord der Ravescraag, die die monatelange Schiffsreise für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen auf Hawaii auf sich genommen hatten.

Wann immer João sie spielte, sorgte die zierliche Machête bei den Hawaiianern für Aufsehen: Form und Klang der kleinen Gitarre schindete sofort bleibenden Eindruck bei den Bewohnern der Südseeinseln — denn so etwas hatten die musikbegeisterten Hawaiianer bisher weder gehört noch gesehen.

Fruchtbares Zusammentreffen des madeirischen Zupfinstruments auf die hawaiianische Kultur:

Schnell weckte Joãos Instrument die Neugier der Bewohner Honolulus. Musik und Tanz stellte seit jeher eine wichtige Kulturkonstante auf Hawaii dar. Deshalb traf das handliche Saiteninstrument den Nerv der Hawaiianer, die sie nachbauten und in ihre Tradition eingliederten. Das war die Geburtsstunde der „Ukulele“!

Woher stammt der Name der hawaiianischen Variante der „Machête“? Wie bei so manchem gibt es auch bei der Namensherkunft der Ukulele mehrere Theorien. Eine davon: „Ukulele“ bedeutet auf Hawaiianisch „hüpfender Floh“.

Aber was hat denn nun bitte ein Saiteninstrument mit einem winzigen Blutsauger zu tun? Die Erklärung ist denkbar einfach: Da die Finger während des Spiels des Instruments schnell über das Griffbrett tanzen, erinnerte dies die Hawaiianer an einen hüpfenden Floh!

Das ist allerdings nur die Hälfte der Geschichte der Ukulele.

Neben dem Musiker João Fernandes dürfen drei weitere Herren nicht vergessen werden, die maßgeblich zur Entwicklung der Ukulele beigetragen haben: Augusto Dias, Jose De Espirito Santo und Manuel Nunes, die alle drei zwar als Feldarbeiter nach Hawaii gekommen waren, denen aber auch das Handwerk des Möbelschreinern gemein war — zudem waren Santos und Dias begabte Musiker. Manuel Nunes entwarf nach einiger Tüftelei auf Grundlage der madeirischen Machête die heutige Ukulele und gilt somit als Erfinder der modernen Ukulele.

1889 eröffneten die drei eine Fabrik in Honolulu, in der die von Manuel Nunes entwickelte Ukulele produziert wurde. Die Nachfrage auf Hawaii nach dem kleinen Instrument stieg in den darauf folgenden Jahren stetig an!

Hilfreich für die schnell wachsende Popularität der Ukulele: Die enge Freundschaft zwischen Augusto Dias und König Kalakaua von Hawaii. König Kalakaua war selbst passionierter Musiker gewesen und mauserte sich zum besonderen Förderer des „neu-hawaiianischen“ Instruments.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitete sich das Ukulelenfieber dann über das US-amerikanische Festland über Großbritannien bis auf den europäischen Kontinent.

Längst gibt es Ukulelen in allen erdenklichen Varianten: Egal ob als Bariton-, Tenor-, Konzert-, Sopran- oder Bass-Ukulele — verstärkt oder vollakustisch.

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Mehr als einhundert Jahre später erlebte die Beliebtheit der Ukulele eine Renaissance: Spätestens seit der Ukulele-Versionen von Israel Kamakawiwoʻole von Klassikern wie „Somewhere Over The Rainbow“ oder „What A Wonderful World“, hat die Ukulele ihren unrüttelbaren Platz in der Popmusik gefunden.

Texte: Steffen Schneewind
Photos: Mandy Mellenthin